Black Mirror

Das ist offenbar wieder so eine Serie, wie man sie in Großbritannien wohl hinbekommt, wobei man sich immer wieder fragt, wieso das Fernsehen anderswo im nicht englischsprachigen Raum nicht die gleiche Kraft besitzt. Was bei Black Mirror sofort auffällt, ist die Tatsache, dass alles, was hier passiert, irgendwo in eine unbestimmte nähere Zukunft versetzt worden ist. Nach den Angaben des Hauptideenspenders Charlie Brooker verhält es sich wie folgt: wenn man sich einmal vor Augen führt, wie die aktuellen Trends und technischen Möglichkeiten auf der Welt sind, in der wir leben, dann extrapoliert die Serie in eine Zukunft, wie sie sein könnte, wenn die Menschen einmal für zehn Minuten nicht genau aufpassen. Und wenn wir die Episoden dieser vielleicht relevantesten aller derzeit laufenden Serien einmal im Detail betrachten, dann können wir ja nur hoffen, dass wir diese zehn Minuten des Nichtaufpassens nicht erleben. Worum es sich bei dem sagenumwobenen und geheimnisvoll bezeichneten "Black Mirror" eigentlich handeln dürfte, das wird uns ebenfalls aus den Angaben von Charlie Brooker etwas klarer. Namengebend sind die spiegelnden schwarzen Bildschirmflächen unserer so genannten hand-helf devices und der allgegenwärtigen Computer und intelligenten Maschinen, mit denen wir uns im Auto, zu Hause und am Arbeitsplatz umgeben. Daher erklärt sich auch der typische Introbildschirm der einzelnen Episoden mit dem charakteristischen Sprung in der Scheibe, den man von gesplitterten Smartphone-Bildschirmen nur zu gut kennen dürfte, ebenfalls nämlich in genau dem Moment, wenn man einmal für zehn Minuten nicht gut genug aufgepasst hat. Zum Beispiel dann, wenn man sich mit seinem dicken Hintern in den Fernsehsessel gepflanzt hat, nur um gleich erschreckend festzustellen, dass man wohl das Smartphone in der Gesäßtasche spazieren geführt hat und jetzt mittels seines eigene Körpergewichtes einen Sprung ins Display gezaubert hat. Und was ist der langen Rede kurze Quintessenz? Genau so, wie man sich dann fühlt, fühlt man sich des Öfteren nach Betrachten der Episoden. Ui!

Black Mirror 01 - Der Wille des Volkes / The National Anthem

Au Backe, das ist ein sehr feines Dilemma, was man sich da ausgedacht hat, um die Serie Black Mirror einzuläuten. Interessanterweise ist dies gar nicht die erste Episode, die geschrieben worden ist, aber es handelt sich immerhin um die erste ausgestrahlte Episode, die den Anfang dieser ausgesprochen herausfordernden Serie gebildet hat. Vielleicht ist das Dilemma, das sich hier als Grundlage eines schweren Konfliktes zeigt, auch wiederum gar nicht einmal so fein, sondern im gegenteil eher doch grob, ohne jetzt aber ungeschlacht zu sein. Eines frühen Morgens erhält der englische Premierminister (der von Rory Kinnear gespielte, so genannte Michael Callow) einen folgenschweren Anruf, der ihn sofort zu seiner Anwesenheit in einem Krisenstab in die Nummer 10 der Downing Street zwingt. Dort wird ihm - zunächst nur bis zu einer noch nicht ausgesprochenen Auslöseforderung - das Video der entführten Princess Susannah (die von der Schauspielerin Lydia Wilson dargestellt wird) vorgespielt, die offenbar in der Gewalt eines oder mehrerer zu allem entschlossenen Menschen ist, der sie in höchste Angst versetzt und mit ihrer Ermordung droht. Susannah ist auch noch die in den Medien ausgesprochen beliebte Prinzessin, an deren Schicksal ganz Großbritannien natürlich besonders stark Anteil nimmt. Wenn es nicht so wäre, dass die Forderung, die die Entführer durch Princess Susannah unter Tränen verlesen lassen, gleichzeitig über die Maßen widerlich und zur selben Zeit verhältnismäßig leicht erfüllbar wäre, dann wäre der Konflikt vermutlich nicht so zugespitzt. Es fehlt allerdings auch an einer klaren Strategie, wie man sich im Entführungsfall überhaupt zu verhalten habe, jedenfalls fragt man sich das als Zuschauer, ob da in der gesamten britischen Polizei nicht ein einziger Spezialist für Entführungsfälle vorhanden ist oder ob es nicht eine Richtlinie für den Entführungsfall gibt. Jedenfalls versuchen die Erpresser, den Premierminister durch die Entführung dazu zu zwingen, live ausgestrahlt auf allen Fernsehsendern des Landes Geschlechtsverkehr mit einem Schwein zu haben. Die Innenministerin Alex Cairns (Lindsay Duncan, die wir als Adelaide Brooke aus den Waters of Mars von Doctor Who als harten Knochen kennen) schließt natürlich völlig aus, dass so etwas passiert. Wir ahnen schon, wie das ausgehen wird...

Black Mirror 02 - Das Leben als Spiel /15 Million Merits

In dieser zweiten Folge verrät der deutsche Titel wiederum ein wenig mehr als der englische es eigentlich vermuten lässt. In der Tat scheint hier aber nicht sofort auf, warum das Leben als Spiel funktionieren sollte in dieser am Ende doch recht betrüblich stimmenden Episode. Diese ist von der Art und dem Aufbau der Welt her mit der ersten Episode eigentlich gar nicht zu vergleichen, denn es ist offenbar eine Welt, in der etliche Gemeinsamkeiten mit der von uns als real erlebten Welt einfach hinten übergekippt und vom Tisch gefallen zu sein scheinen. Was sich aber einige der Schreiber für die deutsche Wikipedia dabei gedacht haben, von "Laufrädern" und einer "Sporteinrichtung" zu faseln? Na, es ist in dieser Dystopie jedenfalls so, dass das Leben tatsächlich groß angelegte spielerische Elemente beinhaltet, dass das aber leider auch schon das Positivste ist, was man darüber nun sagen kann, denn alles ist klaustrophobisch beengt und wird von Bildschirmen dominiert, die gleichzeitig dem voyeuristischen Blick dienen und eine Welt vorgaukeln, die eigentlich ja an der spiegelnden Glasfläche endet. Die dort gezeigte Dystopie spinnt ja eigentlich nur eine Verabsolutierung eines laufenden Trendes weiter, bei dem das Konsumieren von und das Partizipieren an "Zurschaustellungsformaten" in den allgegenwärtigen Medien noch weiter überhöht wird. Eine sinnvolle Alltagsbeschäftigung gibt es für die Menschen offenbar nicht - sie haben im Wesentlichen die Wahl, entweder für Ihren Lebensunterhalt (und den der ganzen Gemeinschaft) wie im Laufrad beziehungsweise Hamsterrad Strom zu erzeugen und fortwährend "Merits" als virtuelle Währung zu erwerben, die sie für den Konsum technisch bereitgestellter Grundlebensmittel ausgeben könenn oder eben für das Betrachten (oder Nichtbetrachten) von Medieninhalten ... oder sie wechseln auf die "Produzentenseite", vielleicht besser ebschrieben als das Bereitstellen von so genanntem "content", also irgendwelchen Dingen, die andere betrachten können oder müssen, ohne wirklich daran interessiert zu sein. Na ja, und die eine, vielleicht einzige Chance zum "Weiterkommen" will Abi Khan (Jessica Brown Findlay) dann nutzen. Ermuntert von Bingham Madsen ergreift sie ihre große Chance mit dem Lied "Anyone Who Knows What Love Is".

Black Mirror 03 - Das transparente Ich / The Entire History of You

Hier kommt wieder so eine Folge von Black Mirror, bei der man die sich vollziehende Katastrophe in etwa so beobachtet wie man einen sehr langsamen, aber dennoch unaufhaltsam sich vollziehenden Unfall betrachten würde, etwa wenn ein sehr großer Öltanker sehr langsam genau auf ein Riff zuhält und die Seite des Schiffes wie in Zeitlupengeschwindigkeit verlangsamt aufreißt. Wie genau die technischen Möglichkeiten zustande gekommen sind, die hier die Hauptrolle spielen und wie sie sich im Prinzip so gänzlich verbreiten konnten, das ist natürlich sehr rätselhaft, und es wird auch nicht besonders gut geklärt. Vielleicht interessiert es auch nicht, jedenfalls scheinen alle Erdenbürger, oder jedenfalls alle Britinnen und Briten - oder vielleicht auch nur die wohlhabenderen von ihnen über eine Technologie zu verfügen, mit deren Hilfe das ganze Leben, jedenfalls aus der eigenen Wahrnehmungsperspektive, aufgezeichnet werden kann. Die Technologie leidet natürlich ein bisschen genau daran, dass eine Synchronisation der verschiedenen Perspektiven nicht vorgenommen werden kann, wobei das ja vielleicht noch die interessanteste Option wäre. Das Grundproblem bleibt aber so oder so: die einmal gemachten Erinnerungen sind jederzeit in gleichbleibender Qualität wieder abspielbar, was aber natürlich bereits dann eine Schwierigkeit darstellen würde, wenn man sich (und das ist ja in der Episode anders) darauf einließe, dass der jeweils scharf wahrgenommene Teil des Sehfeldes nur ein sehr kleiner Ausschnitt ist. Den Rest kompensiert unser Gehirn ja mithilfe von Erinnerungen ohnehin, denn ob man es glaubt oder nicht, der scharfe Sehwinkel des Auges beträgt ja lediglich rund 2°. Damit wären aber den Optionen des Hineinzoomens in Detailansichten auf der Gedächtnisaufzeichnung enge Grenzen gesetzt, und in der Episode vollzieht sich das Ganze auch eher als laufe eine Kamera mit wesentlich größerer Schärfentiefe mit. Davon aber einmal abgesehen leiden die Menschen (eigentlich leidet im Wesentlichen die Hauptfigur Liam Foxwell und dann leiden alle, denen er Leid zufügt) an den Möglichkeiten, die diese Technik dem Review und der Evaluation vergangener Ereignisse zur Verfügung stellt. Hier, um den Verdacht des Ehebruches zu bestätigen.