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Barbie: Modezauber in Paris

Gottlob spielt in diesem Film niemand wirklich mit, auch wenn die als Avatare getarnten Plastikzombies sich "Liliana Roxelle" und "Tante Millicent" nennen. Die sind aber alle so erfunden und aus virtuellem Knetgummi spritzgegossen, dass man den Weichmacher noch durch den Bildschirm riecht. Und das ist auch gut so. Ansonsten müsste man nämlich umstandslos in die Kirche gehen und sofort eine Kerze für die ganze Bande anzünden. Und auch das würde nicht helfen zu verhindern, dass sie allesamt in Pink und mit Glitzer in die Hölle einfahren werden. Sie sagen zum Beispiel Sätze wie "Ich begreife nicht, warum keiner kommt! Unsere Website ist spitze und ich habe sie überall verlinkt." Auch die Worte "Wie wäre es mit einem fetten Knaller als Highlight?" kommen vor. Und irgendwer hat seine Seele an Barbie und Ken verkauft und auch noch einen durchsterilisierten Polypropylen-Dancefloor-Hammer "Life is a fairytale" geschrieben. Da hilft es auch keinen Deut, dass in dem Film allen Ernstes ein als Helge Schneider a.k.a. Rodriguez Faszanatas verkleideter Griesgram im Würstchenkostüm mitspielt.

Die Endstation dieses Machwerks ist nicht etwa wie im Song "magic in cashmere", sondern die in Kunstharz gegossene Seele von Ruth Handler am Abgrund des Wahnsinns. Aber eine Frage bleibt offen: was hilft denn nun dagegen? Salzsäure? Pippi Langstrumpf? Feminismus intravenös? Man wüsste es ja gerne... Bis dahin bleibt zu hoffen, dass nicht kleine Mädchen (oder größere) mit dieser erstklassigen Projektionsfläche für ausgesprochen befremdliche Lebensentwürfe etwas in eine sensible Entwicklungsphase gegossen kriegen, das sie nicht mehr loslassen wird, bis, ja bis sie selber auf einmal merken, dass ihre Haut einen Acrylfilm bekommen hat, ihre Lippen seltsam schablonenhaft lächeln und ihre Gefühle, ja ihre Gefühle von einem Albtraum in Pink zwangsassimiliert wurden. Und da macht es am Ende keinerlei Unterschied, dass die Grenzen verschwimmen zwischen denen, die im Modegeschäft zur Schau gestellt werden und denen, die dafür etwas zur Schau stellen. Heidenei! Es ist ja sehr fragwürdig, wie dieses ganze Ding um Mode, Anziehen und "irgendwie Aussehen" herum überhaupt so eine große Faszination ausüben kann. Man ist versucht zu denken, dass da bei aller Oberflächlichkeit doch nun an ganz niedere Instinkte appelliert wird. Man überzeuge sich selbst mithilfe des folgenden kleinen Videoclips. PS: Ganz gegen meine sonstigen Sehgewohnheiten spielt Brad Pitt in diesem Film nicht mit ;)