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Mondbasis Alpha 1 Folge 30 Der Händler

War in der letzten Folge (Mondbasis Alpha 1 Folge 29 Der entscheidende Stoff / Space:1999 - All That Glisters) noch eine Substanz Gegenstand des Interesses, so kommt hier nur der so genannte Taybor zum Tragen. Bevor er überhaupt in Erscheinung tritt, macht er schon durch seine Gimmicks und Promotionsgeschenke von sich reden. Er sendet lustige Objekte, zum Beispiel zu den Bikinimiezen ins Solarium, die einen bei Berührung in ein Koma schicken können. Alles ist plötzlich irgendwie bunt auf den Bildschirmen und irgendwie psychedelisch wirkt es auch, ein Kaleidoskop von Farben begleitet von einer leutseligen Stimme. Nun scheint die ganze zweite Staffel von Mondbasis Alpha 1 leider von leutseligen Fremden zu wimmeln, die bei näherer Betrachtung unglaubliche, von diktatorischen Anwandlungen angewandelte Doofmänner sind. Und so auch hier. Plötzlich kommt so eine Art aufgepumpter intergalaktischer Dirk Bach im zartrosa Zottellook daher und stellt sich als Taybor der Händler vor. Und er nervt mit seiner irgendwie spaßig scheinenden und doch fürchterlich aufdringlichen Art sogleich alle an Bord der Mondbasis. Als er auch noch Maya an den Schenkel grabbelt, ist er den entscheidenden Schritt zu weit gegangen: Maya nutzt eine fürchterliche Pranke und Tony betäubt ihn mit seinem als Bier getarnten Gebräu aus der Fuselhölle. Aber eines gibt allen an Bord Rätsel auf: kann Tabor, der ansonsten ein wandelnder Schrotthändler ist, wirklich mit dem Hyperraumantrieb umgehen, den sein Schiff besitzt? So richtig schlau wird man aus dem Taybor nicht - während er die Mannschaft mit unglaublichem Tand beeindruckt, um alle einzulullen, verfolgt er einen heimlichen und entsetzlichen Plan. Da die Mannschaft der Mondbasis Alpha 1 sich nach der langen Odyssee durch das Weltall nichts sehnlicher wünscht als eine neue Heimat oder die Rückkehr zur Erde (neben der drohenden Vernichtung eigentlich die letzten beiden übriggebliebenen Topoi der Serie, nachdem mit Professor Bergman der letzte Philosoph an Bord stickum verschwunden worden ist), spielt Maharadscha Taybor hier mit den Hoffnungen der Crew, um seinen Sinn für Schönheit und gutes Essen zu befriedigen. Während letzteres schon mit Tony Verdeschis Bier zu gelingen scheint, ist ersteres auf drastische Weise folgenreicher: der Taybor verlangt niemanden weniger als Maya im Gegenzug für die Möglichkeit, die Alphaner per Hyperraumantrieb zurück zur Erde zu bringen. Ob ihm überhaupt je daran gelegen ist, die Alphaner zurück zur Erde zu bringen, bleibt offen, für Maya mit ihren immer noch dreckigen Ohren interessiert er sich aber umso mehr. Zum Glück - soviel sei an dieser Stelle bereits verraten - gelingt es ihm aber nicht, eine der zentralen Figuren der Serie, die immer ein wenig zwischen zu großer Vertrauensseligkeit und gerechtfertigtem Misstrauen pendelt, aus der Mondbasis zu entführen. Und was ihre Schönheit angeht, so muss die Umwelt natürlich immer mit der Gestaltwandlerei rechnen:  in einer grandiosen Szene verwandelt sich Maya in eine Maya-Version des Taybor selber. Und da wird dann sogar dem Taybor schlecht. Uff! Gerade noch einmal gut gegangen, so könnte man das Fazit dieser Episode ziehen, wenn man dieses Fazit nicht auch schon von den letzten zwei dutzend Folgen gezogen hätte! Dass der Taybor auch einen Spannerblick in Commander Koenigs Schlafzimmer wirft, wo Koenig gerade kurz davor ist, mit Doktor Helena Russell ... hm ... wir breiten den Mantel des Schweigens darüber. Es ist aber für die neue Effekthascherei der zweiten Staffel charakteristisch.