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Youtubismus

Allgemein bekannt als gesellschaftlich etabliertes Phänomen ist der Youtuber (beziehungsweise weiblich: die Youtuberin, allgemein geschlechtsneutral das Youtub*el), bekanntermaßen eine Person, die an Youtubismus leidet, einer psychopathologischen Aufmerksamkeitsstörung, die nicht primär in einem Defizit der eigenen Aufmerksamkeitsspanne besteht (Konzentrationsstörung), sondern in einem wahnhaft gestörten Verhältnis zu

a) der Erheischung der Aufmerksamkeit anderer beziehungsweise

b) der vermuteten Wertigkeit des eigenen Tuns für die Aufmerksamkeit anderer.

Menschen, die an Youtubismus leiden, sind durch ein allmähliches Absinken der Schamgrenze gekennzeichnet, das einem stetig größer werdenden Exhibitionismus Platz zur Entfaltung einräumt. Ist in der Anfangsphase des Youtubismus noch eine Konzentration des Youtubers auf so genannte Kunstfiguren beziehungsweise ein alter ego feststellbar, so nimmt bei fortschreitendem Youtubismus der vom Youtuber empfundene Zwang zu, ein möglichst "authentisches" Bild von sich und seinem Leben zu veröffentlichen. Es kommt in der Hochphase des Youtubismus zu einer Verwechslung des Lebens, wie es sich ohne Präsenz eines Bildaufnahmegerätes vollzieht, mit einem Leben, das von der Dauerpräsenz eines Bildaufnahmegerätes gekennzeichnet ist. Der (beziehungsweise die) unter Youtubismus Leidende ist aus eigener Kraft (und insbesondere in Gesellschaft weiterer Youtub*el) nicht mehr in der Lage, einen solchen Unterschied noch wahrzunehmen oder - bei weiterem Fortschreiten - ihn überhaupt noch abstrakt fassen zu können. Verstärkt wird dieses Leiden noch durch die Aufmerksamkeit, die dem Youtub*el seitens derjenigen entgegengebracht wird, die den Kanal des Youtub*els abonniert haben. Es ergibt sich hierbei eine gegenseitige Abhängigkeit (so genannte Co-Abhängigkeitsstörung) der Abonnenten und des Youtub*els, die ohne Hilfe von außen schwer aufzulösen ist.

Vermutlich handelt es sich beim Youtubismus um eine gezielt inszenierte gesellschaftliche Störung, die vornehmlich dazu dient, nicht arbeitsfähige Menschen sowohl von einem Arbeitsplatz fernzuhalten (an dem sie womöglich noch größeren Schaden anrichten könnten als in der Fütterung des Youtube-Kanals) als auch sie aus der Arbeitslosenstatistik herauszuhalten, weil sie als "Selbständige" tätig sind (häufig wahrnehmbare Selbstbezeichnung in der Öffentlichkeit: "ich bin Youtuber").

Messbar ist der Grad des induzierten Youtubismus mittels der von Youtube erhobenen, am so genannten Youtube-Kanal direkt ablesbaren Statistiken. Mittelschwere Fälle von Youtubismus setzen mit Erreichen der 100.000er Marke in den so genannten Abonnentenzahlen ein, wobei die Schwere der Störung mit Erreichen höherer Abonnentenzahlen zunimmt, allerdings logarithmisch, nicht linear, so dass nicht automatisch der Zusammenhang "doppelte Abonnentenzahl = doppelte Schwere der Störung" gilt. Besonders ist zu beachten, dass man als Abwehrmaßnahme gegen den drohenden Youtubismus gut daran tut, sich präventiv mit dem Morbus bloggeri beziehungsweise dem Blogismus zu infizieren, da eine Infektion mit Blogismus im Regelfall dazu führt, dass man die Zwangsneurose entwickelt, über jeden noch so an den Schamhaaren herbeigezogenen Blödsinn einen mindestens 300 Wörter starken Text zu verfassen, so dass einem im Gegenzug keine Zeit mehr bleibt, sein unzumutbares Äußeres ständig in irgendwelche Kameralinsen zu halten.