Life on Mars

Life on Mars ist eine wirklich gelungene britische Serie, die in fast schon absurder Weise die Fäden einer größer angelegten "Mystery" mit einer Serie von Kriminalfällen verknüpft, die alle in der großen Ära der Polizeiserien angelegt sind. Nämlich in den 1970er Jahren. Genauer gesagt (es lässt sich nämlich ziemlich präzise datieren) exakt im Jahre 1973. Wie es dazu kommt? Das ist natürlich ein Teil der ganzen mysteriösen Geschichte.

Life on Mars 1.1 "Episode 1"

Auf der Jagd nach Verbrechern kann ja immer eine Menge passieren, aber hier passiert sogar besonders viel. Zunächst einmal, das merkt man schon im Vorspann, wird herumgefahren. Das ist vielleicht nicht ganz unwichtig, denn in der ganzen Serie wird noch ganz schön herumgefahren werden. Und es wird auch prompt ein zu Fuß flüchtender Verbrecher mittels einer ebenso zu Fuß ausgeführten Verfolgungsjagd gefasst. Von Sam Tyler, von dem wir noch eine Menge hören werden. Und sehen. Nachdem der Übeltäter aber der Polizeibehörde in Manchester übergeben ist, geht es erst richtig zur Sache.

Sam hat Knies mit seiner Freundin Maya, es geht dabei auch um den gerade eben verhörten Verdächtigen, den Sam gehen lassen muss, obwohl er ihn mit größter Wahrscheinlichkeit für einen schuldigen Verbrecher hält. Wir erfahren hier sowohl etwas über die Verhörmethoden als auch über die Ermittlungsarbeit. Als Maya dem Verdächtigen folgt, der vermutlich mindestens eine Frau erwürgt hat, gerät sie in Not, Sam nimmt die Verfolgung auf und findet am Tatort, von dem Maya aus angerufen hat, ein blutiges Kleidungsstück Mayas. Sehr mitgenommen fährt er zurück, hält unterwegs an, um sich zu beruhigen und wird dann von einem Auto erfasst - ein für den Zuschauer wie aus dem Nichts kommender Schlag.

Und dann beginnt der reine Wahnsinn. Sozusagen. Denn Sam, der eben noch auf dem Asphalt in Manchester lag, liegt jetzt auf dem Schotter in Manchester. Als er wieder zu sich kommt, hat nicht nur er sich verändert, sondern die ganze Welt hat einen einzigen spitzen Hemdkragen bekommen, Jeans und Bundfaltenhosen mit einem Riesenschlag und Koteletten bis fast zum Kinn. Es ist 1973 in Manchester geworden, und Sam weiß nicht so recht, wie ihm geschieht. Wir auch nicht, und als er an seinen vetrauten Arbeitsplatz im Betongebäude der Polizei von Manchester zurückkehrt, fällt einem das Kinn bis auf den Schreibtisch. Alles ist qualmig, alles ist ein einziges Durcheinander, es hängen komische Typen herum und Sams Büro ist auch weg. Er arbeitet fürderhin unter DCI Gene Hunt, einem Raubein fast wie aus dem Film. Der Fall, den es im Jahre 1973 zu lösen gilt, hängt mit dem Fall zusammen, dem Sam und Maya auf der Spur waren. Aber auch wenn Sam das herauskriegt: der Schlüssel zu seiner Rückkehr in seine Zeit bleibt ihm verborgen. Auch wenn er sich mit einer drastischen Maßnahme zurückkatapultieren will, bei der ihn Annie Cartwright gerade so eben noch zurückhalten kann. Der deutsche Titel der Episode lautet aber nicht umsonst Erinnerungen aus der Zukunft.

Life on Mars 1.2 "Episode 2"

Es ist in der letzten Episode schon angeklungen, dass sich die Methoden der Polizeiarbeit in den Jahren zwischen 1973 und 2006 sehr verändert haben. Vielleicht eindeutig zum Vorteil der moderneren Zeiten hin. Vielleicht auch nicht nur vielleicht, sondern eindeutig. Das bleibt am Ende aber die Entscheidung der Nachwelt. Wobei man sagen muss, dass Sam Tyler ja genau genommen bereits ais der Nachwelt stammt, denn er ist aus dem Jahre 2006 ja bekanntlich in das Jahr 1973 zurückkatapultiert worden, oder so erscheint es ihm jedenfalls.

Mit seinen zugegebenermaßen besseren Methoden kommt er aber nicht überall gleich gut an. Bei seinem Vorgesetzten Gene Hunt, der sich gerne auch mal als "Jean (/Gene) Genie" bezeichnet (ist er etwa auch Bowie-Fan, wie die Referenz auf Life on Mars schon fast nahe legt? Oder sind es nur die Schreiber der Serie, die hier einen roten Faden weben? Oder kann man das alles nicht so genau sagen, weil es ja eh alles Fiktion ist? Egal!)

Hier geht es jedenfalls um die Verhaftung und Dingfestmachung eines Kriminellen, Kim Trent, den der "Guv" schon lange im Visier hat. Der Streit zwischen Sam und Gene entbrennt hier an den Methoden. Darf man einem schlimmen Schurken einfach etwas unterschieben? Oder lohnt es sich, auf der Basis wirklicher Evidenz und Beweise zu arbeiten. Für Sam ist die Antwort klar, aber für Gene auch. Nur unterscheiden sich die Antworten, die beide geben, etwas voneinander. Der Umgang mit Zeugen unterscheidet sich allerdings auch. So wie zischen Gene und Sam eigentlich so ziemlich alles unterschiedlich ist. Ray und Chris versemmeln auch noch den Zeugenschutz, den Sam dem teilweise tauben Straßenkehrer zugesagt hat - und sie bringen damit auch noch Annies Leben (und das des Straßenfegers) in Gefahr! Na sauber, ob das wohl ein gutes Ende nimmt? Irgendwie ja schon, aber da steht es doch des öfteren auf Messers Schneide, und beide, Gene und Sam, werden aufgrund der unterschiedlichen Methoden, die sie anwenden wollen, zu stark gegeneinander arbeitenden Faktoren.

Life on Mars 1.3 "Episode 3"

In der dritten Episode der Serie geht es in gewohnter Manier zur Sache. Gene Hunt, der rasante Polizist aus der Vergangenheit steht mit seinen Methoden dem modernen Vorgehen von Sam Tyler teils diametral, teils unversöhnlich und teils völlig gegensätzlich gegenüber. Als in einer Textilfabrik (Sam kennt sie noch aus der Zukunft als Teil eines vermutlich ziemlich stark gentrifizierten Stadtteils oder so ähnlich - denn ihm geht auf, dass der Tatort quasi seine eigene Küche ist, also in der Zukunft jedenfalls, denn im Moment ist das ja alles doch Bestandteil einer Textilfabrik) ein Mord begangen wird, hat Gene Hunt mit seinem untrüglichen detektivischen Instinkt natürlich den Fall schon sofort gelöst, denn es geht ja kaum anders als dass die Gewerkschaft dahinter steckt. Dafür sind ja Gewerkschaften auch bekanntlich bekannt, dass sie Leute umbringen. Na ja. Gene hat natürlich gleich auch noch die dort arbeitenden Sikh in Verdacht, also alles ist irgendwie eine großes Durcheinander.

Sam schmeckt das alles nicht, seine Interviews führen aber auch nicht zum Erfolg. Ein alter Gewerkschafter gerät aufgrund weiterer Funde immer mehr in den Verdacht, aber Sam ist nicht besonders überzeugt von dem, was da abläuft. Es zeigt sich im weiteren Fortschreiten des Gangs der Ermittlungen, dass der alte Gewerkschafter jemanden zu decken scheint, der ihm sehr am Herzen liegt, und der den gewerkschaftlichen Kampf zugunsten des Strebens nach Eigennutz wohl schon längst aufgegeben hat. in einer Verzweiflungstat will dieser sich nämlich noch einmal in letzter Minute einen finanziellen Vorteil verschaffen, da er die Situation, in der er und die anderen sich befinden, sowieso als einigermaßen aussichtslos ansieht.

Und dann tritt auch noch DCI Litton auf den Plan, der sich den Fall gerne unter den Nagel reißen möchte, nämlich irgendwie so im Wettbewerb der Abteilungen über die beste Aufklärungsquote oder so. Aber daraus wird nichts, und als der Fall dann endlich aufgelöst ist und DCI Litton mit seinen Leuten noch einmal vorbeischaut, gibt es eine ordentliche Keilerei mit allem drum und dran.

Life on Mars 1.4 "Episode 4"

In dieser Episode beschäftigt sich Sam aus Interesse auch mit seiner eigenen Vergangenheit (eigentlich seltsam, dass ihm das erst jetzt in den Sinn kommt, aber zu sehr ist er wohl mit seiner eigenen Akkommodation in den Polizistenberuf unter den veränderten Bedingungen beschäftigt). Jedenfalls besucht er mehr oder weniger zufällig beziehungsweise mehr oder weniger absichtsvoll den Haushalt seiner Kindheit, das heißt, im Wesentlichen begegnet er seiner eigenen Mutter, Ruth Tyler. Diese wird nämlich durch ihren Vermieter in eine einigermaßen missliche Lage gebracht, da sie finanziell ziemlich in der Klemme steckt, was wohl auch zu einem nicht geringen Teil an Sams Vater liegen dürfte, der aber nicht auftritt. Jedenfalls bringt Sam einen Mann, der sich wie ein ziemlicher Bully aufführt, in das Polizeirevier, und nach allem, was man so mitbekommt, scheint es sich bei dem Kerl um einen alten Bekannten zu handeln, der interessanter weise das Polizeirevier auch relativ umgehend wieder verlassen darf. Obwohl er ja ganz und gar nicht unschuldig ist, wie die sprichwörtliche Unschuld vom Lande, sondern eher wie der Schurke aus der Stadt ordentlich Dreck am Stecken haben dürfte. Alles ist auch Teil eines größeren korrupten Ganzen, muss Sam nach und nach herausfinden, da der Boss des Bullies Charlie Edwards, nämlich Stephen Warren, einen Deal mit der Polizei hat. Aber das Arrangement, das dort arrangiert worden ist, geht nicht nur Sam ein wenig zu weit (na ja, eigentlich geht es ihm verständlicherweise viel zu weit), sondern auch die eigentlich davon profitierenden Polizisten wie Gene Hunt und Raymond "Ray" Carling kommen so ein bisschen ins Grübeln. Aber zunächst wird Sam so richtig in die Pfanne gehauen, nämlich mittels einer so genannten "honey trap" in Gestalt von Joni Newton. Und hier ist ja auch der Weg, den Sam Tyler ihr vorschlägt, sehr zwiespältig zu betrachten. Die Hinweis und Ratschläge (na ja, und natürlich die Schelte), die Sam ihr gibt, nachdem er darüber zu Recht verletzt ist, dass sie ihn in die Pfanne gehauen hat, führen eigentlich - obwohl sie gut und richtig und wohlgemeint sind - geradewegs in die Katastrophe. Letztendlich führen sie aber auch zu einem Sinneswandel bei der Polizei. Aber eben nur um den Preis eines großen Opfers.